Interviews & Gastbeiträge

Dialog ist entscheidend

Mag. Dr. Johanna Schwanberg hat 2013 die Direktion des Dom Museum Wiens übernommen. Seither hat sie das Museum einem völligen Relaunch unterzogen und durfte mit dem Österreichischen Museumspreis nun die Früchte ihrer Arbeit ernten. Im Sinne einer umfassenden Definition des Nachhaltigkeitsbegriffs unterstützen auch wir als S IMMO im Rahmen unserer CSR-Tätigkeiten Kulturinstitutionen wie das Dom Museum Wien. Wir haben Johanna Schwanberg zum Interview getroffen und mit ihr über die Auszeichnung, ihre Pläne für das Dom Museum Wien und die COVID-19 Krise gesprochen.

Der österreichische Museumspreis ist hierzulande die höchste staatliche Auszeichnung für ein Museum. Frau Schwanberg, wie sehen Sie die Auszeichnung persönlich?

Als ich das Dom Museum Wien 2013 als Direktorin übernommen habe, war meine Aufgabe ein kompletter Relaunch des Museums. Dabei wollte ich Geschichte und Gegenwart in einen spannenden Dialog miteinander bringen. Das Dom Museum Wien sollte ein lebendiger Ort werden, an dem Austausch stattfindet. Dabei ging es darum, zu zeigen, wie sich gewisse Fragen – künstlerische, aber auch menschliche, gesellschaftliche – durch die Geschichte ziehen. Dass dieser innovative und mutige Weg nach der erst dritten Ausstellung eine solche Wertschätzung erfährt, freut mich und uns ganz besonders. Vor allem bei einer so großen Museumsdichte und Vielfalt, wie wir sie bei uns in Wien haben.

DMW_FragileSchoepfung_Peeters.jpg Bonaventura Peeters, Stürmische See, um 1640 Stiftsmuseum Klosterneuburg, Foto: Stiftsmuseum Klosterneuburg

Sie sind also von der Auszeichnung überrascht worden?

Der Österreichische Museumspreis ist ein Preis, der vom Ministerium und einer Jury vollkommen autonom vergeben wird. Man weiß vorher nichts davon und man kann sich auch nicht bewerben. Insofern war ich schon überrascht, ich war aber gleichzeitig auch immer überzeugt davon, dass der Weg, den wir gehen, richtig ist. Nur wenn man selbst begeistert ist und glaubt, dass das, was man tut, wirklich gut ist, kann man auch andere überzeugen.

Ich habe immer das Potenzial dieses Museums gesehen und war auch international von unserem Tun überzeugt. Natürlich habe ich gewusst, dass das Ganze auch scheitern kann, es gibt immer Hürden. Vor allem in diesem Fall, wo es doch um einen Paradigmenwechsel ging – weg von einem rein historischen Museum hin zu einer dialogschaffenden Einrichtung, die historische Sakralkunst mit Schlüsselwerken der Moderne, der Nachkriegsavantgarde und zeitgenössischer Kunst verbindet.

Aber gerade in Zeiten wie diesen mit religiösen und kulturellen Spannungen, die sich tagtäglich zeigen, bin ich mehr denn je überzeugt davon, dass der Weg des Dialogs zwischen Vergangenheit und Gegenwartskunst nicht nur spannend, sondern auch enorm wichtig ist.

Wie beurteilen Sie Ihr eigenes Konzept seit der Auszeichnung? Hat der Preis für Sie etwas verändert?

Meine Grundhaltung zu meinem Konzept für das Dom Museum Wien hat sich durch die Auszeichnung nicht verändert. Ich sehe den Preis eher als Bestätigung und Motivation, unseren Weg weiterzugehen. Natürlich muss man ein bestehendes Konzept laufend nachschärfen, das macht eine gute Kreative aus. Aber das hat nichts mit dem Preis zu tun.

Wichtig ist, das Konzept immer als Gesamtprodukt zu betrachten. Für uns bedeutet das, es ist nicht nur wichtig, welche Themen man wählt, sondern vor allem auch wie man das macht. Der Dialog zwischen den einzelnen Kunstwerken ist entscheidend für mich. Ein Museum ist nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung, sondern ich möchte, dass die Besucherinnen und Besucher auch emotional berührt und zum Fragen und Nachdenken angeregt werden. An genau diesem Erlebnis arbeiten wir tagtäglich.

Oliver Ressler, Every round-trip ticket on flights from New York to London costs the Arctic three more square meters of ice, 2019 Courtesy the artist, àngels Barcelona, The Gallery Apart, Rome. Foto: Oliver Ressler

Welche Zukunftsvision haben Sie für das Dom Museum Wien?

Wir möchten unsere Kooperationen verstärken und zum Beispiel Projekte mit und für Schulklassen intensivieren. Und es wäre schön, irgendwann einmal einen zusätzlichen Raum zu haben, mit dem wir schneller und flexibler agieren können – eine kleine Galerie der Gegenwartskunst sozusagen.

Aktuell geht es aber vor allem darum, das, was wir bisher gemacht haben, nun auch Früchte tragen zu lassen und die Dinge zum Blühen zu bringen. Die aktuelle Krise macht es uns sicher nicht leichter, umso wichtiger ist es, genau jetzt seinen Fokus richtig zu setzen.

Wie blicken Sie persönlich auf die letzten Monate der COVID-19 Krise zurück?

Ich denke, die Krise hat uns vor allem gezeigt, dass wir viel verwundbarer sind, als wir in unserer westlichen Welt lange geglaubt haben. Unsere Ausstellung Family Matters, die bis vor Kurzem lief, hat durch Corona noch einmal eine ganz neue Bedeutung bekommen. In der Zeit des Lockdowns haben wir Online-Touren durch die Ausstellung angeboten, der Zuspruch war enorm. Das Schöne war, dass man gleichzeitig gemerkt hat, dass nicht alles immer perfekt sein muss.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Schwanberg!

Über Mag. Dr. Johanna Schwanberg
Mag. Dr. Johanna Schwanberg hat in Wien Kunstgeschichte, Kunsterziehung und Deutsche Philologie studiert und unter anderem als Universitätslektorin, Kuratorin, Kunstkritikerin und Sendungsgestalterin (u. a. für Ö1) gearbeitet. Nach einem intensiven Ausschreibungs- und Auswahlprozess wurde die gebürtige Wienerin im März 2013 zur Direktorin des Dom Museum Wien ernannt. Sieben Jahre später darf sie die höchste staatliche Auszeichnung für Museen in Österreich, den Österreichischen Museumspreis, entgegennehmen. Der Preis ist mit Euro 20.000 dotiert und wird vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport vergeben. Die offizielle Preisverleihung fand Anfang Oktober 2020 im Rahmen des 31. Österreichischen Museumstages in Krems statt.

Fotos von oben n. unten:
Mag. Dr. Johanna Schwanberg (Titelbild) © eSeL.at – Lorenz Seidler
Bonaventura Peeters, Stürmische See, um 1640 © Stiftsmuseum Klosterneuburg
Ausstellungsansicht „Fragile Schöpfung“, Dom Museum Wien, 2020 © Lena Deinhardstein
Every round-trip ticket on flights from New York to London costs the Arctic three more square meters of ice, 2019 © Oliver Ressler

 

Autor/in

Sandra Hengstermann

Sandra Hengstermann arbeitet bei der S IMMO AG in der Abteilung Unternehmenskommunikation & Investor Relations. Als stellvertretende Pressesprecherin verantwortet sie neben der klassischen Medienarbeit die Social Media Kanäle des Unternehmens, wie auch diesen Blog. In ihrer Freizeit liebt sie Reisen, gutes Essen und Sport.

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