S IMMO Einblicke

Vertrauen muss man aufbauen

Sandra Hengstermann
geschrieben von Sandra Hengstermann

Frühstück mit Natascha Blauensteiner, Leitung Finanzierung & Treasury S IMMO AG

Ein Balanceakt zwischen Zeitdruck und guten Konditionen. Über Verhandlungsgeschick, Vertrauensaufbau und den gewissen Zug zum Tor.

Sie leiten bei der S IMMO AG die Abteilung Finanzierung & Treasury. Wie schaut ein typischer Arbeitstag für Sie aus? Gibt es einen solchen überhaupt?

Einen typischen Tagesablauf gibt es für mich in der Regel nicht. Wenn mich jemand fragt, was ich mache, sag ich immer, ich bin die Schatzmeisterin der S IMMO. Auf der einen Seite kümmere ich mich darum, dass unsere Immobilien langfristig finanziert sind. Das betrifft sowohl Bestandsobjekte, Neuankäufe als auch Projektentwicklungen in unseren Märkten in Deutschland, Österreich und CEE. Auf der anderen Seite liegt die kurz- und mittelfristige Liquiditätssteuerung und das Cash Management für den gesamten Konzern in meinem Verantwortungsbereich. Das heißt, ich muss dafür sorgen, dass Finanzmittel zur Verfügung stehen, wenn sie gebraucht werden, und mich darum kümmern, dass der Zahlungsverkehr funktioniert.

Ich bin also in regelmäßigem Kontakt mit Banken, um beispielsweise Kreditverträge und Konditionen auszuhandeln oder neue Finanzierungen anzuleiern. Dafür beobachte ich laufend die Entwicklungen am Zinsmarkt, bin in ständigem Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Asset Management, der Projektentwicklung oder der Finanzabteilung, trage Informationen über die zu finanzierenden Immobilien zusammen und bereite sie entsprechend auf. Am Ende geht es immer darum, Finanzierungen zu bestmöglichen Konditionen und nach den strategischen Vorgaben des Vorstands aufzustellen. Denn die Finanzierungskosten, die ich mit den Banken ausverhandle, haben direkten Einfluss auf Rendite und Gewinn des Unternehmens.

Aber Zahlen sind das eine, Vertrauensaufbau und Kontaktpflege sind ein ebenso großer Teil meiner Arbeit. Denn die Berechenbarkeit und die Zuverlässigkeit – auf beiden Seiten – sind mindestens genauso wichtig. In der Finanzkrise hat sich damals die Spreu vom Weizen getrennt. Manche Banken haben in dieser Zeit nicht zu ihrem Wort gestanden, das merkt man sich. Gute Kundenbeziehungen sind enorm wichtig, denn es geht fast immer um langfristige Finanzierungen. Nur Vertrauen kann man eben nicht kaufen, das muss man aufbauen.

Kaffeetasse & Gläser

Was ist für Sie persönlich das Spannendste an Ihrer Tätigkeit? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen Ihrer Arbeit?

Da muss ich sofort an die Lehman-Pleite denken. Die zwei Jahre danach waren für mich die bisher herausforderndsten Jahre in meiner Karriere. Wirtschaftlich gesehen war die Finanzkrise natürlich eine extrem schwierige Zeit, aber ich habe in diesen Jahren sehr viel gelernt. Ich musste Finanzierungen in hohen Millionenbeträgen für unsere Projektentwicklungen im Osten zu möglichst günstigen Konditionen aufstellen – in einer Zeit, in der sich Banken reihenweise aus dem Osteuropageschäft zurückgezogen haben. „To fail is not an option“, war damals einer meiner Leitsätze. Und ich habe es geschafft, die Finanzierung sicherzustellen. Das war schwierig, aber gleichzeitig so unglaublich spannend. Ganz ehrlich: Ich könnte ein Buch schreiben, so spannend war das!

Seit dieser Zeit konnte ich einen gesamten Zyklus miterleben. Die Rahmenbedingungen für Finanzierungen haben sich in den letzten 10 Jahren komplett gedreht. Stichwort: negativer EURIBOR, neue Regularien wie Basel III, MIFID, etc. Während wir damals am Höhepunkt der Krise waren, erleben wir jetzt eine neue Hausse, es ändern sich nur die Rahmenbedingungen.
Das, was meine Aufgabe aber zu jeder Zeit so spannend macht, ist die Immobilie selbst. Diese Schnittstelle zwischen der Immobilie einerseits und der Finanzierung andererseits ist für mich das wirklich Reizvolle. Neben Banken hat man auch mit Technikern, Asset Managern, Hausverwaltern, Anwälten, Mietern, ja sogar Hotelbetreibern, zu tun. Das bedeutet, man muss umfangreiches Wissen über Projektentwicklung und Immobilienbewirtschaftung mitbringen, man sollte sich mit Immobilienbewertung, aber auch mit Bilanzierungsstandards auskennen – und selbstverständlich Bankenwissen haben. Dieses tägliche interdisziplinäre Arbeiten macht für mich den Reiz aus.

Was ich bei der S IMMO besonders schätze ist, dass ich verschiedene Assetklassen finanzieren darf – von Zinshäusern in Deutschland über Bürotürme, Shopping Center bis hin zu Hotels im Osten. Gleichzeitig habe ich mit Immobilien in allen Lebenszyklen zu tun – mit Neubauprojekten genauso wie mit generalsanierten Gründerzeithäusern. Diese Heterogenität schafft Abwechslung, auch bei der Verhandlung von Krediten. Eine der größten Herausforderungen im daily Business ist sicherlich das Spannungsfeld „Zeitdruck – gute Konditionen“, in dem man sich in der Finanzierung meistens bewegt. Aber wie sagt man so schön: Der Mensch wächst an seinen Aufgaben.

Natascha Blauensteiner im Gespräch, S IMMO AG

Welche Charaktereigenschaften sind in Ihrem Job aus Ihrer Sicht unerlässlich?

Ich würde sagen generell Zuverlässigkeit und Handschlagqualität. Aber im Besonderen auch gutes Verhandlungsgeschick gepaart mit dem richtigen Maß an Hartnäckigkeit sowie Geduld und natürlich eine klare Zielorientierung sind Eigenschaften, die vor allem in der Zusammenarbeit mit Banken enorm wichtig sind. Kurz gesagt: Es braucht den gewissen Zug zum Tor.

Sie sind bereits seit über 10 Jahren bei der S IMMO. Wie hat sich Ihre Arbeit für das Unternehmen in dieser Zeit verändert? Wie beschreiben Sie Ihre persönliche Entwicklung?

Da wären wir wieder bei der Finanzkrise. Es gibt für mich ein Berufsleben vor und eines nach der Krise. Ich bin 2007 zur S IMMO gekommen, 2008 habe ich meine jetzige Position angetreten, das war 14 Tage nach der Lehman-Pleite. Diese Zeit hat mich geprägt. Die Erfahrungen, die ich in der Krise gemacht habe, haben mich eine gewisse Gelassenheit und viel Geduld gelehrt. Auf der anderen Seite habe ich aber auch Durchsetzungsfähigkeit entwickelt.

Zudem habe ich in all meinen Jahren bei der S IMMO sehr viel über Immobilien gelernt. Denn so unterschiedlich die Immobilien sind, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen an eine Finanzierung. Und auch wenn sich meine Aufgaben in all den Jahren nicht grundlegend verändert haben, gab und gibt es immer wieder neue Rahmenbedingungen, an die man sich anpassen muss – sei es auf Grund einer Krise, durch gesetzliche Neuerungen oder sonstige Veränderungen im Arbeitsumfeld. Das macht den Job für mich bis heute aus. Man weiß nie genau, welche Entwicklung als nächstes eintreten wird. Aber man sollte den Markt immer im Blick haben und bestmöglich auf die verschiedensten Szenarien vorbereitet sein. Langweilig ist mir in den letzten 10 Jahren jedenfalls nie geworden. (lacht)

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