S IMMO Einblicke

Retail als Königsdisziplin

Sandra Hengstermann
geschrieben von Sandra Hengstermann

Frühstück mit Hania Bomba, Geschäftsführerin und Eigentümerin der Be Retail GmbH & Aufsichtsrätin der S IMMO AG

Über das Chancen-Ergreifen, Neugier und Mut.

Stilbild Espressotasse

Hania Bomba ist heute Geschäftsführerin und Eigentümerin der Be Retail GmbH. Ihre Karriere in der Immobilienbranche hat sie bereits in sehr jungen Jahren begonnen. Seit 2018 sitzt sie außerdem im Aufsichtsrat der S IMMO AG. Wir haben Hania Bomba besucht und mit ihr über ihren bisherigen Werdegang gesprochen.

Wenn Sie Ihre Karriere bis heute in Gedanken durchgehen, was sehen Sie als Ihre persönlichen Meilensteine oder Highlights an?

Ich muss ehrlich sagen, vieles ist einfach so passiert. Manche planen ja ihre Karriere, bei mir war das nicht so. Am Anfang erschien mir vieles so selbstverständlich. Als ich dann mit 29 Jahren plötzlich Geschäftsführerin von RegioPlan wurde, habe ich gemerkt, dass vielleicht doch nicht alles so selbstverständlich ist. Das war rückblickend nicht einfach ein „piece of cake“. Zwei weitere Meilensteine waren meine Selbständigkeit und die Wahl in den Aufsichtsrat der S IMMO vergangenes Jahr. Genau 10 Jahre später und es tut sich wieder was (lacht).

Hania Bomba, Geschäftsführerin und Eigentümerin der Be Retail GmbH & Aufsichtsrätin der S IMMO AG

Verraten Sie uns Ihr Erfolgsrezept?

Ich war immer sehr interessiert, neugierig, mutig. Und ich habe immer gesagt, wenn ich etwas wollte. Ich habe nicht gewartet, bis jemand zu mir kam, sondern ich bin hingegangen und habe gesagt „Das interessiert mich, das möchte ich gerne machen.“ Ich denke, man muss in Vorleistung gehen und Eigeninitiative zeigen, wenn man etwas erreichen möchte. Wenn Sie nicht wissen, was Sie wollen, werden Sie es nicht bekommen.

Auf der anderen Seite hatte ich aber auch das große Glück, in wichtigen Momenten die richtigen Personen zu kennen. Es ist immer jemand aufgetaucht, der gesagt hat: „Ich glaub an dich und an dein Können.“ Das ist natürlich eine große Hilfe und Glück.

Im Nachhinein würde ich sagen, ich hätte meine Karriere ein bisschen mehr planen können. Man sollte sich wirklich überlegen: Wo möchte ich denn hin? Dementsprechend setzt man dann seine Schritte.

Wie sind Sie überhaupt zur Immobilienbranche gekommen und was fasziniert Sie an diesem Geschäft?

Zu der Branche gekommen bin ich durch meinen anfänglichen Assistenzjob bei RegioPlan – das war wirklich kompletter Zufall. Und jetzt arbeite ich bereits seit 20 Jahren für die Immobilienbranche (lacht).

Was mich an dieser Branche fasziniert, ist, wenn man merkt, dass sich eine Immobilie von der Idee bis zum Vollbetrieb entwickelt. Dass dort ein professionelles Team arbeitet und alles bis zum Ende denkt. Das ist Wahnsinn. Ein Grundstück auszusuchen und dann zu überlegen, welches Konzept passt zu diesem Standort. Die Genehmigung für den Bau einzuholen und dann so zu bauen, dass für die Menschen, die die Immobilie nutzen, gebaut wird, nicht für den Architekten oder irgendeinen Folder. Diesen ganzen Prozess finde ich unglaublich inspirierend.

Außerdem gefällt mir das Thema Vermarktung von Immobilien. Früher hat man vermietet oder verkauft, heute vermarktet man. Das ist wie im Handel, möchte oder muss man besser sein als die Konkurrenz, muss man sich wirklich überlegen, was ist der USP der Immobilie, welche Geschichte möchte und kann ich erzählen. Super spannend.

Hania Bomba schenkt Wasser ein

Was macht die Assetklasse Retail für Sie so besonders? Worin unterscheidet sie sich von anderen Assetklassen?

Ich denke Retail ist wirklich die Königsdisziplin. Wenn man Büro, Wohnen, Logistik und Retail miteinander vergleicht, ist Retail sicher die schwierigste Assetklasse – man braucht das meiste Wissen. Ein Beispiel: Ich habe in einem beliebigen Bezirk in Wien ein Grundstück und möchte Wohnungen darauf bauen. Man kann sich am Markt orientieren, welche Wohnungsgrößen und welchen Ausstattungsgrad es gerade ungefähr braucht. Durchschnittliche Miet- oder Kaufpreise gibt es ebenfalls. Ich sage nicht, dass es leicht ist, aber es ist keine endlose Wissenschaft, ein Wohnhaus zu errichten.

Im Handel funktioniert das so nicht. Ganz viele Standorte sind nicht geeignet und die wenigen Handelsstandorte, die es sind, sind wiederum nicht für jedes Konzept oder für jeden Händler geeignet. Eine gut funktionierende Handelsimmobilie zu entwickeln ist sehr komplex und verlangt im Vorfeld extrem gezielte und genaue Arbeit.

Welche Trends, aber auch Herausforderungen, sehen Sie in diesem Bereich auf uns zukommen?

Viele Standorte werden an Bedeutung verlieren oder verlieren schon jetzt an Bedeutung. Der Handel ist schnell und mobil. Die Immobilie ist das eben genau nicht. Dieses Thema wird in Zukunft sicherlich vermehrt eine Rolle spielen.

Aber der Handel hat im Moment so viele Themen, dass man kaum sagen kann, welches das wichtigste ist. Ich schreibe gerade ein White Paper zum Thema Digitalisierung im Handel, deshalb beschäftigt mich unter anderem das unglaubliche Tempo, mit dem sich Konsumenten verändern und einhergehend auch die Anforderungen an die Händler. Pure Player (Anm.: damit sind Händler gemeint, die ihre Produkte ausschließlich online anbieten) haben ganz andere Themen wie stationäre Händler, aber Sie haben den gleichen Kunden. Am Ende geht es vielleicht um passende Fusionen und Joint Ventures zwischen Pure Playern und stationären Händlern, weil man so Zeit gewinnt und schneller ist als die Konkurrenz.

Bei den Entwicklungen im Moment wären Rewe und Alibaba zum Beispiel ein denkbares und natürlich ein rein fiktives Dreamteam (lacht). Wenn Einzelne die Aufgaben von beiden Welten stemmen müssen, dauert es 100 Jahre und diese Zeit hat keiner im Handel. Viele stationäre Händler denken bei Digitalisierung noch immer in den Sphären des Onlinestores. Onlinebusiness im Handel muss aber mehr bedeuten, als den Verkauf von Waren – damit alleine können Sie als Einzelner außerdem eh kaum Geld verdienen. Es geht um ein ganzes virtuelles Businessmodell, mit Plattformen, Datenclouds, Werbeschaltungen, Datenanalysen, Predictive Analytics, Streemingangeboten, etc…

Ein aktuelles Vorzeigeprojekt in diesem Zusammenhang ist der neue Ikea am Westbahnhof – wie lautet Ihre Expertenmeinung & persönliche Einschätzung zu diesem Projekt? Sind dadurch Veränderungen am Retail-Markt zu erwarten?

Ich habe für Ikea in Bezug auf dieses Projekt gearbeitet, das erste Mal vor ca. sechs Jahren. Wir haben uns damals angeschaut, welcher Standort für ihr Vorhaben der geeignetste ist. Das bedeutet, man vergleicht verschiedene Standortfaktoren und rechnet den möglichen Umsatz. Am Ende hat der Westbahnhof das Rennen gemacht. Ich sehe das Projekt jedenfalls sehr positiv und denke, dass Ikea für die Gegend eine enorme Aufwertung bringt und die Händler dort einen Boost erleben werden.

Hania Bomba

Sie sind seit 2018 Aufsichtsrätin der S IMMO AG – für einen Laien erklärt: was bedeutet dieses Mandat, worin besteht Ihre Aufgabe?

Die Hauptaufgabe ist aus meiner Sicht ein Zur-Seite-Stehen und Überprüfen der Arbeit der Vorstände des Unternehmens. Ich sehe es als meine Aufgabe, in den Aufsichtsratssitzungen Fragen zu stellen und die Konzepte, die vom Vorstand vorgelegt werden auf Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit zu überprüfen – stellvertretend für alle Menschen, die der S IMMO ihr Geld geben und anvertrauen. Ich finde, ich stehe allen Aktionärinnen und Aktionären in der Schuld, ich bin ihre Stimme dort an dem Tisch und stelle Fragen zur Strategie und zu Entscheidungen.

Was ist für Sie persönlich das Spannendste an Ihrer Tätigkeit als Aufsichtsrätin? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen Ihrer Arbeit?

Das Spannendste für mich ist, dass ich einmal mit ganz anderen Themen konfrontiert bin. Ich schaue mir zum Beispiel Wohnimmobilien in anderen Ländern an und erkundige mich wie der Wohnmarkt in einer Stadt oder einer Region, in der die S IMMO investieren möchte, aktuell ausschaut. Das ist etwas Neues für mich und würde ich sonst wahrscheinlich nicht unbedingt machen. Wenn man immer nur mit Handelsthemen konfrontiert ist, möchte man irgendwann auch mal etwas anderes machen. Daher finde ich diese Abwechslung sehr nett.

Das Herausforderndste ist wahrscheinlich, dass viele Aufsichtsräte, mit denen ich an einem Tisch sitze, direkt aus dem Finanzbereich kommen. Das ist ein totaler Clash, sie stellen ganz andere Fragen, als ich sie stellen würde bzw. stelle. Es braucht aber natürlich nicht nur Profis aus einem Gebiet, sondern auch immer wieder jemanden, der die Dinge aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtet. Wir kommen dadurch viel ins Reden und Diskutieren. Ich empfinde das als sehr positiv.

Seit 2018 gibt es eine verpflichtende Frauenquote in österreichischen Aktiengesellschaften. Haben Sie einen Tipp, wie man sich als Frau für eine solche Position ins Rennen bringt? Und welche Charaktereigenschaften sind als Aufsichtsrätin aus Ihrer Sicht unerlässlich?

Ich beobachte oft, dass sich Frauen selbst aus dem Rennen schießen. Ich habe in meinem ganzen Berufsleben nie etwas bekommen oder nicht bekommen, weil ich eine Frau bin. Sondern, weil ich besser oder schlechter war als meine Konkurrenz. Ich denke, man muss präsent sein und Chancen, die sich einem bieten, ergreifen. Natürlich hat im Fall meines Aufsichtsratsmandats die verpflichtende Quote ihren Teil beigetragen. Das ist mir bewusst. Aber ich war da und konnte die Gelegenheit, die sich geboten hat, wahrnehmen. Und auch wenn ich kein Fan der Quote bin, wahrscheinlich brauchen wir sie, um veraltete Strukturen aufzubrechen.

Welche Charaktereigenschaften für diesen Job wichtig sind, sieht wahrscheinlich jeder anders. Was man aber meiner Meinung nach generell braucht, um weiter zu kommen, ist eine Portion Selbstsicherheit. Und, was ich vor allem auch von anderen immer wieder lerne, ist Diplomatie.

Außerdem finde ich es wichtig klar zu sein, präsent und aufmerksam zu sein, anderen mit Respekt zu begegnen, die volle Wertschätzung zu leben, mutig zu sein und immer Lernender zu bleiben.

 

Fotos © asoluto | Angelika Schiemer

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