Financial Literacy

Das ABC der Finanzierung

Was heißt eigentlich EURIBOR und wofür ist das wichtig?

EURIBOR steht für Euro Interbank Offered Rate und bezeichnet den Zinssatz für den Interbankengeldmarkt, zu dem sich Banken kurzfristig zwischen bis zu 12 Monaten untereinander Geld leihen. Insgesamt 22 Referenzbanken (hauptsächlich, aber nicht ausschließlich aus der EU) melden täglich ihre Briefsätze für den Interbankenhandel ein. Daraus werden die Durchschnittssätze für verschiedene Laufzeiten zwischen 1 Woche und 12 Monaten ermittelt und täglich, das heißt an jedem Bankarbeitstag, um 11.00 Uhr MEZ veröffentlicht. Insgesamt gibt es 8 verschiedene EURIBOR-Sätze für Laufzeiten zwischen einer Woche und 12 Monaten.

Die EURIBOR-Sätze werden häufig als Referenzzinssätze für variabel verzinste Kredite verwendet.

Was sind variable Zinssätze?

Variable Kreditzinssätze setzen sich aus einem Indikator (z. B. 3-M-EURIBOR) und einem Aufschlag zusammen. Da sich der EURIBOR täglich ändert, unterliegt auch der variable Zinssatz Schwankungen. Wenn der Euribor sinkt, profitiert man von sinkenden Kreditzinsen und Raten. Gleichzeit besteht das Risiko hoher Kreditzinsen und Raten, wenn der Indikator wieder steigt. Gegen dieses Risiko kann man sich durch Zinsabsicherungsinstrumente wie z. B. Zins-Caps oder Swaps absichern.

Im Gegensatz dazu werden bei Fixzinssätzen die Zinssätze bei Kreditbeginn für die gesamte Laufzeit fixiert. Das bedeutet, wenn der EURIBOR während der Kreditlaufzeit sinkt, profitiert man nicht von sinkenden Kreditzinsen und Raten. Man vermeidet aber gleichzeitig das Risiko durch steigende Zinssätze.

Und was sind eigentlich Negativzinsen?

Die EZB hat im Juni 2014 erstmals den Einlagezinssatz, das ist jener Zinssatz, zu dem Banken ihr überschüssiges Geld über Nacht bei der EZB veranlagen können, auf unter 0 % gesenkt.  Auf Grund des negativen Einlagezinssatzes müssen Banken, die ihr Geld über Nacht bei der EZB veranlagen, Negativzinsen an die EZB zahlen. Manche Banken in Deutschland haben beschlossen diese Negativzinsen zumindest teilweise an ihre Kunden, allerdings nur Großanleger, weiterzugeben. Die EZB hat den Einlagezinssatz mehrfach gesenkt, aktuell beträgt er -0,40 %. Die EZB will die Banken damit zur stärkeren Kreditvergabe an Unternehmen und Private verleiten, anstatt das Geld bei der EZB zu bunkern.

Wie nützt die S IMMO AG die aktuelle Zinssituation für sich ?

Die S IMMO AG hat einen Großteil ihrer Kredite (rund 81 %) variabel verzinst, hauptsächlich basierend auf dem 3-Monats-EURIBOR. Gleichzeitig haben wir das Zinsänderungsrisiko über Zinsderivate wie z. B. Caps und Swaps langfristig abgesichert. Somit profitieren wir von dem aktuellen historisch niedrigen Zinsniveau und wir haben unser Risiko nach oben hin abgesichert.

Autor*in

Natascha Blauensteiner

Natascha Blauensteiner leitet die Abteilung „Finanzierung & Treasury“ der S IMMO AG. In ihren Verantwortungsbereich fallen unter anderem die Kreditfinanzierungen und das Zinsabsicherungsmanagement sowie die Liquiditätssteuerung für den Konzern.