Gastbeiträge

Der Geschäftsbericht – wie im richtigen Leben

Alexandra Herbst
geschrieben von Alexandra Herbst

„Und, was machen Sie so?“ „Geschäftsberichte.“ – Ein Wort und jeder Zauber ist vorbei. Es klingt sperrig nach einem Arbeitsinstrument, erinnert irgendwie an den Lehrer, der am Ende des Schuljahres das Wesentliche penibel im Zeugnis festhält, damit den Eltern auch nicht entgeht, was ihr Spross in den Schulstunden treibt. Ja, der Geschäftsbericht hält fest, was wir in Abgrenzung zu Freizeit, Party, Fröhlichkeit „Arbeitsalltag“ nennen. Ist das denn so wichtig, dass wir das am Ende des Jahres nochmals niederschreiben müssen? Wir müssen. Und das ist wohlmöglich der Auslöser der empfundenen Sperrigkeit.

Ist das Wahnsinn?

Wer wie ich leidenschaftlich gern Geschäftsberichte macht, lebt nah an der Grenze zum Wahnsinn – jedenfalls in den Augen des Gegenübers, der die Faszination für Geschäftsberichte nicht teilt. Wahnsinn im Sinne eines Abweichens von der Norm braucht der Geschäftsbericht allerdings tatsächlich. Schließlich geht es um Aufmerksamkeit. Wir wollen den Leser für das Unternehmen einnehmen, ihn als Anteilseigner gewinnen oder halten. Daneben soll er sich schnell einen Überblick verschaffen können und das Lohnende am Geschäft verstehen.

Die richtige Botschaft hilft

Idealerweise begeistern wir den Leser für unsere Sache. Das geschieht, indem wir Geschichten erzählen. Jedes Jahr aufs Neue. Und wie die Geschehnisse im Unternehmen nicht an jedem Tag dieselben sind, so lässt sich auch jedes Jahr die Realität für den Geschäftsbericht neu in Szene setzen.

Welche Geschichte soll es sein?

Selten sind gute Ideen der Geniestreich eines Einzelnen. Deshalb bringen wir im ersten Schritt die Köpfe zusammen. Im Dialog mischen sich verschiedene Perspektiven und die ersten Ansätze entstehen. Auf den intensiven Austausch folgt die Einzelarbeit, die Ansätze werden weiterentwickelt. In erneuter Teamarbeit werden die Ansätze zu zwei Ideen verdichtet und festgelegt, wer an welcher Stelle ins Detail geht: Berichtsstruktur, Leserführung, Produktionsdaten, Materialsuche, Inhaltsrecherche, Bildrecherche, Fotografensuche, Aufbau der Musterseiten, Verfassen der Texte. So sieht er aus, der Weg zum Musterlayout. Nur, wenn es sitzt, wird der Kunde es zur Blüte kommen lassen.

Inspirationsquelle: Realität

Das Spannende an unserem Job ist die Vielfalt der Kundenbranchen. Wir lernen immer wieder Neues kennen: Oder wussten Sie, dass ein Lokführer an der Landesgrenze gewechselt wird, weil Vorschriften die Kenntnisse der landeseigenen Fahrtstrecke verlangen? Dabei kann man doch weder absichtlich noch versehentlich in die Landschaft abbiegen, die Schienen geben den Weg vor. Haben Sie schon mal an einem Schmelzofen gestanden? Hitze, Menschen in schweren Schutzanzügen, Industrieanlagen mit der Anmutung eines Endzeitfilmes. Dagegen wirken die Fertigungshallen eines Anlagenbauers wie der sterile OP im Universitätsklinikum. In einer solchen Kulisse beobachtete ich den Tanz eines Roboters im Test. Seine Choreographie war einstudiert für Lackierarbeiten an einer nicht vorhandenen Karosserie. Obwohl kein PKW dort stand, ließ sich seine Silhouette anhand der filigranen Roboter-Bewegungen erahnen.

Der Herzschlag des Unternehmens

Immer wieder dürfen wir neue Branchen kennenlernen und es werden uns recht tiefe Einblicke gewährt. Nur zu gern entwickeln wir daraus Geschichten, die den Leser den Herzschlag des Unternehmens spüren lassen.

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