Finanzwissen

Vorausschauend fahren – auch bei der Geldanlage

Leonhard Steinmann
geschrieben von Leonhard Steinmann

Was planen Sie in den nächsten fünf Jahren? Kaufen Sie sich ein neues Auto, eine Eigentumswohnung oder vielleicht sogar ein eigenes Haus? Wollen Sie heiraten? Wollen Sie Kinder bekommen? Man muss nicht unbedingt Antworten auf diese Fragen haben, es sei denn, man plant einen Teil seines Vermögens anzulegen. Dann entscheiden diese Antworten nämlich darüber, wie viel Geld Sie investieren und wie viel Sie jederzeit abrufbereit auf ihrem Girokonto haben wollen.

Je kürzer der Anlagezeitraum, desto spekulativer

Die Entscheidung, wie lange man sein Geld binden möchte, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Doch tendenziell gilt, dass ein langfristiges Investment – zum Beispiel in Aktien – die für die Börse üblichen Schwankungen ausgleicht. Über einen längeren Zeitraum liegen die durchschnittlichen Renditen von Aktien zwischen 6 und 8 %. Legt man sein Geld nur kurzfristig an, ist man den Aufs und Abs der Börse stärker ausgeliefert. Im Jahr der Finanzkrise 2008 verlor der Deutsche Aktienindex DAX 40 %. 2009 verzeichnete der DAX ein Plus von 23 %. Wollte man in dieser Phase nur kurzfristig investieren, entschied der Kauf- bzw. Verkaufszeitpunkt über Gedeih und Verderb. Die Entscheidung über den richtigen Zeitpunkt sollte also nicht davon abhängen, ob man das investierte Geld plötzlich für etwas benötigt, ohne dafür eine Reserve zurückgelegt zu haben. Fast neun Jahre nach Beginn der Weltwirtschaftskrise wurden die Verluste an den meisten Börsen wieder mehr als wettgemacht. Der DAX und der US-Aktienindex Dow Jones erreichten dieses Jahr historische Höchststände.

Kosten, Kosten, Kosten

Ein weiterer Grund, warum ein überhasteter Ausstieg aus einer Veranlagung keine gute Idee ist, sind die Kosten. Investiert man zum Beispiel in einen aktiv verwalteten Fonds, zahlt man nicht nur einmalig den sogenannten Ausgabeaufschlag (je nach Anbieter eine niedrige einstellige Prozentzahl des Investments), sondern auch laufende Management- und Depotgebühren. Diese Kosten müssen erst verdient werden – durch regelmäßige Ausschüttungen oder Wertsteigerungen des Fonds. Das dauert seine Zeit, außer man setzt auf eine kurzfristige Steigerung. Und da wären wir wieder bei der Spekulation.

Man sollte nur Geld anlegen, das man über einen gewissen Zeitraum nicht braucht.

Wenn man langfristig investieren will, sollte man also zusätzlich für künftige Ereignisse eine Reserve auf der Seite haben. Je nachdem wie schnell man auf dieses Geld zugreifen möchte, kann man es einfach und sicher am Girokonto parken oder auf ein Sparkonto legen. Tut man das nicht, besteht die Gefahr, dass man sich um mögliche Erträge bei der langfristigen Veranlagung bringt. Im schlechtesten Fall ist die ganze Anlage sogar ein Verlustgeschäft. Dieser Worst Case ist mit ein wenig Planung leicht zu vermeiden.

Hinterlasse einen Kommentar