Finanzwissen & Kapitalmarkt

Vermögensbildung braucht Finanzbildung

Miriam Daill
geschrieben von Miriam Daill

Der Wissensstand der österreichischen Bevölkerung zum Thema Finanzen ist besorgniserregend. Das bestätigen Studien und Erhebungen wie z. B. von der Oesterreichischen Nationalbank oder jüngst auch vom Wirtschaftspolitischen Zentrum. Vor allem um die Finanzkompetenz von Jugendlichen ist es schlecht bestellt.

Woher das Desinteresse kommt

Warum sich junge Menschen so wenig und so ungern mit Finanzthemen beschäftigen, hat viele Gründe. Eine – zumindest für Jugendliche – wenig ansprechende Medienberichterstattung, ein hoher Komplexitätsgrad der Themen sowie ein Image, das sich in den vergangenen Jahren durch laufende Negativmeldungen aus der Finanzbranche zusehends verschlechtert hat, sind nur einige davon. Die Hauptursache sehen Experten aber vorwiegend in der fehlenden schulischen Vermittlung wesentlicher Inhalte. Eine klare Forderung, die daher immer wieder im Zusammenhang mit dem Thema genannt wird, ist es, ein Mindestmaß an Finanzbildung in den Schullehrplan aufzunehmen.

Financial Literacy?

Da jeder Mensch in seinem Leben eine Vielzahl von ökonomischen Entscheidungen trifft, führt an einem Mindestmaß an Finanzwissen – in der Wissenschaft „Financial Literacy“ genannt – kaum ein Weg vorbei. Aber was genau bedeutet das? Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) versteht unter Financial Literacy eine Kombination aus Problembewusstsein, Finanzwissen, Fähigkeiten, Einstellungen und Verhaltensweisen, um vernünftige finanzielle Entscheidungen treffen zu können.

Grundsätzliches Wissen nicht ausreichend vorhanden

Dass die Mängel im Hinblick auf Finanzwissen schon in jungen Jahren bestehen, zeigt auch eine Befragung von 14-jährigen Schülerinnen und Schülern von Prof. Dr. Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der WU-Wien. Bei vielen der Befragten werden Bildungslücken beziehungsweise Fehlannahmen hinsichtlich der Funktion von Wirtschaft sowie der genauen Aufgabe des Staates in der Wirtschaftsordnung sichtbar. Immerhin hatten 10-20 % schon Schwierigkeiten, einem Rechnungsbeleg einfache Informationen zu entnehmen.

Ein vergleichbares Bild zeichnet die Umfrage der Oesterreichischen Nationalbank unter Erwachsenen, die 2014 in 2.000 Haushalten durchgeführt wurde. Während einfache Aufgaben wie z. B. zum Nullzinssatz oder zum Verhältnis von Risiko und Ertrag noch von der Mehrheit richtig gelöst werden konnten, sank die Quote bei schwierigeren Fragen deutlich. Begriffe wie Inflation, Zinseszinsen, Risikostreuung oder die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen werden von vielen nicht verstanden.

Bewusstsein schon bei Jugendlichen schaffen

Wie man verstärktes Bewusstsein für die Bedeutung von Finanzbildung schaffen kann, war auch Thema der Podiumsdiskussion „Generation orientierungslos“, die von S IMMO und der Tageszeitung „Die Presse“ Mitte Oktober veranstaltet wurde. Renommierte Finanzexperten debattierten dabei zu den Voraussetzungen erfolgreicher Vermögensbildung und zu einer möglichen Integration von Finanzwissen in die Allgemeinbildung. Einig war sich das Podium darüber, dass die Herausforderung nur gemeinsam gemeistert werden kann und es ein Zusammenspiel von Schule, Politik sowie Familie braucht. Eltern sollten ihrem Nachwuchs im besten Fall schon zuhause ein Grundverständnis sinnvoller und nachhaltiger Geldanlage vermitteln.

Tipps zum Abschluss

In der Abschlussrunde gaben die Diskutanten Tipps für den Einstieg in die Welt der Finanzen. Erste Bank Retail Vorstand Dr. Peter Bosek empfiehlt dabei das Trockentraining mit Finanzapps sowie die Aneignung eines möglichst breiten Wissens über Wirtschaft. Für Wikifolio CEO Andreas Kern geht es darum, aktiv zu werden, ins Tun zu kommen und einfach auszuprobieren. S IMMO Vorstand Friedrich Wachernig hält den spielerisch-emotionalen Zugang zum Thema für wertvoll und misst vor allem der Schuldenvermeidung eine hohe Bedeutung bei. Finanzblogger Robert Wanner denkt, dass es am wichtigsten ist, sich einen Überblick zu verschaffen, die Alternativen der Anlage zu kennen und nicht nur der Bankberatung zu glauben. Universitätsprofessorin Prof. Dr. Bettina Fuhrmann schloss die Runde mit ihrem Tipp, sich genau über alle Möglichkeiten der Geldanlage zu informieren sowie die persönlichen Ziele im Vorfeld zu definieren, um dann eine überlegte und passende Entscheidung für sich treffen zu können.

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