Finanzwissen & Kapitalmarkt

Wie Anleihen entstehen

Carmen Waldhart
geschrieben von Carmen Waldhart
MMag. Dr. Felix Prechtl © Christina Haeusler

MMag. Dr. Felix Prechtl © Christina Haeusler

Die S IMMO AG begab im Februar 2018 zwei Anleihen mit einem Gesamtvolumen von EUR 150 Millionen – dabei handelt es sich um die größte Anleiheemission in der Unternehmensgeschichte. Mit aktuell sechs an der Wiener Börse notierenden Anleihen zählt das Unternehmen zu den aktivsten Emittenten am österreichischen Kapitalmarkt.

MMag. Dr. Felix Prechtl, Leitung Corporate Office & Capital Markets, gibt Einblicke in die Emission von Anleihen.

Die S IMMO zählt zu den aktivsten Emittenten am österreichischen Kapitalmarkt. Warum ist die Emission von Anleihen für Unternehmen interessant?

Anleihen sind aus verschiedenen Gründen eine interessante Möglichkeit der Unternehmensfinanzierung. Im Vergleich zur Kreditfinanzierung ist zum Beispiel die Verwendung des überlassenen Kapitals typischerweise nicht zweckgebunden, eine Besicherung ist nicht erforderlich und aufgrund des hohen Standardisierungsgrades von Anleihen entfallen langwierige Verhandlungen mit Banken.

Wie lange dauert es eine Anleihe zu begeben?

Im Falle einer Retailanleihe, also einer Anleihe, die auch von Privatanlegern gezeichnet werden kann, kann man im Regelfall vom Startschuss eines Anleiheprojektes bis zu einer tatsächlichen Begebung mit zwei bis drei Monaten rechnen.

Das liegt daran, dass bei einer Retailanleihe ein Prospekt erstellt werden muss, der umfangreiche Informationen über den Emittenten enthält. Dazu gehören zum Beispiel Angaben zur Finanzlage, zur Geschäftstätigkeit oder zum Management der Gesellschaft. Die Erstellung dieses Dokuments ist sehr zeitintensiv und bedarf der permanenten Abstimmung zwischen dem Emittenten und der Emissionsbank, deren jeweiliger Rechtsvertreter, sowie der Wirtschaftsprüfer und der zuständigen Aufsichtsbehörde.

Wie geht es nach der Erstellung des Prospekts weiter?

Wenn der Prospekt gebilligt ist und die sonstigen Vorbereitungshandlungen erfolgt sind, berät man sich mit der Bank, analysiert insbesondere das Kapitalmarktumfeld und entscheidet, ob man mit der Emission „ernst macht“. Ist die Entscheidung gefallen, geht es um die Platzierung und den Vertrieb der Anleihe. Hier ist vor allem die Bank am Zug und kümmert sich um die Investorenansprache.

An einem vorab festgesetzten Tag werden schließlich die Bücher „geöffnet“ und die Investoren können ihre Order abgeben. Das ist natürlich der spannendste Teil im Prozess einer Anleiheemission. Denn trotz aller Analysen, Vorbereitungen, etc. ist es vorab mitunter schwierig abzuschätzen, wie die Anleihe am Markt aufgenommen wird und welche Bedingungen und welches Volumen man letztendlich erreicht.

Nachdem der Kupon und der Ausgabekurs gemeinsam mit der Bank fixiert sind, veröffentlicht man üblicherweise das Ergebnis der Preisfestsetzung. Bei einer Retailanleihe schaltet man dann Zeitungsinserate und weist auf die Möglichkeit der Zeichnung der Anleihe bei Kreditinstituten hin.

Wie kommt die Höhe des Kupons zustande?

Die Höhe des Kupons ist grundsätzlich vor allem von der Bonität des Emittenten, dem Marktzinsniveau und der Laufzeit der Anleihe abhängig.

Welche Rolle spielen Ratings in diesem Zusammenhang?

Die Bonität eines Unternehmens ist für Investoren natürlich ein entscheidendes Kriterium. Eine unabhängige Einstufung der Bonität durch eine Ratingagentur reduziert das Risiko für Investoren und damit die für eine Investition geforderte Risikoprämie.

Die Anleihen, die von der S IMMO in diesem Jahr emittiert wurden, sind relativ klein gestückelt. Warum?

Bei unseren Anleihen handelt es sich um sogenannte Retailanleihen, die eben auch von Privatanlegern gezeichnet werden können. Um möglichst viele Privatanleger zu erreichen ist ein niedriges Nominale sinnvoll. Ab 500 EUR konnte man dabei sein und eine Teilschuldverschreibung kaufen.

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