Finanzwissen & Kapitalmarkt Interviews & Gastbeiträge

Finanzbildung führt zu finanzieller Freiheit

Gier und Angst sind Hauptgegner vernünftiger Anlageentscheidungen, meint S IMMO AG CEO Ernst Vejdovszky. Im Interview spricht er darüber, wie sich Defizite in der österreichischen Finanzbildung beheben ließen und warum ein starker Kapitalmarkt so wichtig ist.

Hr. Vejdovszky, Sie betonen immer wieder, wie wichtig Finanzbildung sei. Wie begründen Sie diese Aussage und wo sehen Sie diesbezüglich Defizite in Österreich?

Know-How und Bildung sind die beste Möglichkeit, auf Dauer ein finanziell selbstbestimmtes Leben zu führen. Eine nachhaltige Änderung im Mindset der Österreicherinnen und Österreicher wird dabei nur dann funktionieren, wenn bereits im Schulunterricht von Beginn an grundlegende wirtschaftliche Kenntnisse vermittelt werden. Fehlendes Wissen trägt zur Verunsicherung bei und führt zum Beispiel dazu, dass weite Teile der österreichischen Bevölkerung den Kapitalmarkt meiden.

Nicht jede und jeder muss bzw. soll sein Geld in Aktien oder Fonds investieren, aber die Aktionärsquote in Österreich liegt nach wie vor im niedrigen einstelligen Bereich. Renditeschwache Anlageformen wie das Sparbuch oder auch der Bausparvertrag sind bei einem Großteil der Bevölkerung noch immer wesentlich beliebter – und das obwohl ich auf Grund der Inflation und der anhaltenden Niedrigzinspolitik bei dieser Form der Geldanlage seit Jahren einen realen Verlust habe. Gleichzeitig ist ein Investment am Kapitalmarkt nur dann zu empfehlen, wenn ich zum einen über entsprechendes Wissen verfüge und zum anderen ausschließlich Geld anlege, dessen Verlust ich verkraften kann.

Klar ist, dass eine vernünftige Finanzbildung in der jungen Generation die Basis für die weitere Entwicklung unserer Wirtschaft schafft. Das sollten wir dringend erkennen.

Wie sehr sehen Sie die Politik in der Verantwortung, den von Ihnen angesprochenen Wissenslücken entgegenzuwirken und den Kapitalmarkt zu stärken?

Ich sehe es jedenfalls als Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Wirtschaftsmotor Kapitalmarkt unterstützen. Dazu gehört neben verschiedenen Förderungsmöglichkeiten ebenso die Integration der Finanzbildung in den Schulunterricht. Ohne Kraftstoff & Service kann ein Motor nicht funktionieren. Bisher hat die Politik das vernachlässigt. Die aktuelle Regierung hat in ihr Regierungsprogramm klare Bekenntnisse zur Stärkung des Kapitalmarkts aufgenommen. Bleibt zu hoffen, dass diesen Worten auch Taten folgen.

Eine funktionierende Börse sichert und schafft Arbeitsplätze, sie schafft Innovation und damit Wohlstand im Land. Jede Behinderung dieses wichtigen volkswirtschaftlichen Instruments führt daher zwangsläufig zu negativen Effekten. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Stärke des Kapitalmarkts und dem Wohlstand eines Landes. Und auch für junge Menschen bietet der Kapitalmarkt attraktive Optionen. Hier ist vor allem die Wirtschaft angehalten, entsprechende Zugänge zu schaffen und das Mindset der jungen Generation im Auge zu haben.

Was entgegnen Sie jemandem, der Ihnen sagt „Corona hat es wieder gezeigt, Investieren an der Börse ist absolut unsicher“?

Zuerst einmal gilt: Aktieninvestments sollten immer und ausschließlich langfristig gesehen werden. Und ich sollte immer nur Geld veranlagt haben, dass ich für einen definierten Zeitraum nicht brauche.

Die COVID-19 Pandemie hat die Welt in einen Ausnahmezustand versetzt, der auch die Börsen nicht kalt gelassen hat. Denn eine allgemeine Verunsicherung löst sehr oft überstürzte Verhaltensweisen aus – das ist nachvollziehbar, aber eben oft auch irrational. Insbesondere in Krisenzeiten sollte man Ruhe bewahren und die Situation so objektiv und nüchtern wie nur möglich betrachten. Ich habe bereits einige Finanz- und Wirtschaftskrisen miterlebt und eines kann ich mit Sicherheit sagen: Es gibt immer auch ein Leben nach der Krise, es folgt eine Erholung der Wirtschaft, ein neuer Aufwärtstrend. Klar ist aber auch: Bildung ist der beste Anlegerschutz. Je früher ich Wissen über Anlagemöglichkeiten und Finanzthemen vermittelt bekomme, desto besser kann ich unterschiedliche Investmentmöglichkeiten für mich nutzen und mich ausreichend schützen.

Welche konkreten Tipps haben Sie für jemanden, der bereit ist, über ein Investment am Kapitalmarkt nachzudenken?

Zu aller erst sollte ich meine persönlichen Ziele definieren. Wie viel will und kann ich veranlagen? Wie viel Risiko bin ich bereit einzugehen? Und auch über den Zeithorizont meiner Veranlagung sollte ich mir im Klaren sein. Bevor ich eine Entscheidung über ein Investment treffe, sollte ich mich jedenfalls ausreichend informieren und Angebote vergleichen. Denn Gier und Angst sind Hauptgegner vernünftiger Anlageentscheidungen.

Menschen, die einem nahe stehen beziehungsweise die seriös sind und über Erfahrung verfügen, wie Freunde mit entsprechendem Know-how oder der Bankberater des Vertrauens, sind sicher gute Gesprächspartner. Sobald jemand ein Eigeninteresse wie beispielsweise eine Provision verfolgt – auch wenn er aus dem Familien- oder Bekanntenkreis kommt – ist er als Ratgeber mit Vorsicht zu genießen.

Kriterien, nach denen man seine Anlage bewerten sollte, sind zum Beispiel Rendite, Sicherheit und Risiko, Höhe des Betrags oder auch die Liquidität. Ebenso zählen Flexibilität, Transparenz, der Veranlagungszeitraum und übernommene Haftungen. Aber auch die Spesenstruktur sowie Nachschuss- und Rückzahlungspflichten sollte man im Auge haben. Natürlich soll mir mein Investment auch Spaß machen und mich nicht belasten. Am besten findet man eine Strategie, die man einhalten und jederzeit wiederholen kann. Wenn ich ein System habe, das leicht und emotionslos reproduzierbar ist, schütze ich mich vor voreiligen Bauchentscheidungen, die ich ansonsten möglicherweise irgendwann bereue. Entscheidend ist, dass man am Ende nur Finanzprodukte kauft, die man auch versteht.

 

Autor/in

Sandra Hengstermann

Sandra Hengstermann arbeitet bei der S IMMO AG in der Abteilung Unternehmenskommunikation & Investor Relations. Als stellvertretende Pressesprecherin verantwortet sie neben der klassischen Medienarbeit die Social Media Kanäle des Unternehmens, wie auch diesen Blog. In ihrer Freizeit liebt sie Reisen, gutes Essen und Sport.

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