Finanzwissen

Die Generation Y und das liebe Geld

Elisabeth Wagerer
geschrieben von Elisabeth Wagerer

Wie stehen die 20- bis 30-Jährigen zu Geld und Geldanlage? Denkt diese Generation vor allem an den raschen Konsum, versteht sie etwas von langfristiger Planung, oder stehen materielle Ziele gar nicht im Vordergrund? Und welche Strategien sollten junge Menschen verfolgen, um finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen? Das waren die Fragen, die im Zuge der Diskussion erörtert wurden.

Eine Generation mit vielen Gesichtern

Den Einstieg liefert Bernhard Heinzlmaier vom Institut für Jugendforschung. Er gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Milieus der heutigen Jugend, von „konservativ-bürgerlich“ bis hin zu „digitalen Individualisten“. Dabei wird schnell klar, dass die Generation viel diversifizierter ist, als ihr oft unterstellt wird. Alle Milieus haben gemeinsam, dass sie stark geldorientiert agieren, im Umgang damit unterscheiden sie sich aber deutlich. Die Gruppe der „Adaptiv-Pragmatischen“ strebt eine Normalbiografie und damit einhergehende finanzielle Sicherheit an. Geld ist Mittel zum Zweck. Für die digitalen Individualisten ist Geld hingegen die Voraussetzung für eine individuelle Lebensgestaltung, soll sie aber in ihrer Flexibilität auf keinen Fall einschränken.

Langfristig und mit Verstand

Christoph Boschan, seit Herbst 2016 Vorstand der Wiener Börse, ortet bei den Jugendlichen ein durchaus reges Interesse an Finanzen und Kapitalmarkt – deutlich mehr als das österreichische Bildungssystem aktuell abdeckt. Außerdem stellt er fest, dass auch traditionelle Finanzunternehmen und -einrichtungen immer stärker in Richtung Social Media tendieren, um ihre junge Zielgruppe abholen zu können. Aufgebracht reagiert er, wenn die Börse als Ort des schnellen Reichtums und raschen Untergangs dargestellt wird. Vielmehr sei der Kapitalmarkt ein „fantastisches Instrument für einen sicheren und langfristigen Vermögensaufbau“. Als wesentlich definiert er dafür drei Punkte: Man soll nur in Dinge investieren, die man versteht. Und man soll langfristig denken und nie alles auf eine Karte setzen.

Flucht aus dem Mittelstand

Gerald Hörhan – besser bekannt als „Investmentpunk“ – beschreibt, wie er schon als Jugendlicher dem Mittelstandsleben seines Elternhauses entfliehen wollte und zieht gewohnt pointiert den Schluss: „Wer reich werden will, muss hackeln.“ Der Kapitalmarkt, aber auch Immobilien und eigens geschaffene Vermögenswerte wie Websites oder digitaler Content wären dafür sehr gut geeignet. Aber mit Finanzprodukten sei es wie beim Autofahren: „Natürlich ist es geil mit 300 km/h auf der Autobahn zu fahren – aber man muss sich dabei verdammt konzentrieren.“

Das rationalere Geschlecht

Ruhigere, aber nicht weniger eindringliche Töne schlägt Natascha Wegelin an, die unter dem Titel „Madame Moneypenny“ vor allem Frauen Einblicke in die Finanzwelt gibt. Frauen seien bei Geldthemen rationaler als Männer, oft würden sie aber an ihrem Perfektionismus scheitern. Dabei ist es auch und gerade für Frauen wichtig, ein gewisses Maß an finanzieller Unabhängigkeit zu erreichen. Auch mit geringem Aufwand sei das schon möglich, so Wegelin. Wichtig ist, sich zu Beginn ein Ziel zu setzen: „Will ich kurzfristig gewinnen oder langfristig meine Pension aufbessern. Je nachdem sind unterschiedliche Herangehensweisen sinnvoll.“

Auch Scheitern will gelernt sein

Friedrich Wachernig, Vorstand der S IMMO AG, geht einen Schritt weiter: Er ortet ein großes Sicherheitsbedürfnis und zu wenig Mut, um eigene Projekte ins Laufen zu bringen. Es fehle in Europa an einer vernünftigen „Kultur des Scheiterns“ wie sie zum Beispiel in den USA schon lange praktiziert wird. Es sollte erlaubt sein, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Gleichzeitig betont er die Notwendigkeit eines gewissen Know-hows: „Wissen macht unabhängig. Nur wer über finanzielles Basiswissen verfügt, kann sein Leben selbstbestimmt führen.“

Non scholae sed vitae discimus

Die Notwendigkeit von Finanzbildung findet am Podium einen breiten Konsens. Auch darüber, dass das Schulsystem hier oft zu kurz greift, ist man sich einig. Hörhan ruft die Jugend auf, sich intensiv mit Finanzthemen zu beschäftigen und ihre „Faulitis“ zu überwinden. Auch Wegelin betont, dass Unabhängigkeit mit Wissensaneignung beginnt. „Das beste Investment ist das in dich selbst.“ Boschan hält Bildung überhaupt für die beste Form von Anlegerschutz und Wachernig empfiehlt: „Wissen ist die Basis. Fragen Sie Ihre Eltern, Ihre Freunde oder Ihre Bankberater. Machen Sie sich schlau.“ In Sachen Bildung sind sich also alle einig, der Unterschied steckt wie so oft im Detail. Und so liegt das letzte Wort bei Natascha Wegelin, die vom Bankberater eher abrät und stattdessen Blogger und YouTube-Videos empfiehlt. Weil Generation nun eben doch nicht gleich Generation ist.

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