Finanzwissen & Kapitalmarkt

Der Wert einer Börse

Warum ist eine Börse wichtig? Ganz einfach: Die Börse ist das Spiegelbild einer Volkswirtschaft. Wie in früheren Zeiten der Marktplatz: Je reichhaltiger das Angebot an Waren und je mehr Käufer, also je mehr gehandelt wird, umso besser geht es dem Dorf oder der Stadt. Dasselbe gilt für eine Börse. Wenn sich viel tut, brummt der Wirtschaftsmotor.

Manche Bedingungen sind allerdings vorgegeben. Zum Beispiel geographisch: Österreich ist ein kleiner Markt. Gerade deshalb müssen wir auch über die Grenzen schauen, vernetzt denken, internationale Investoren anwerben. Für Unternehmen ist die Börse eine wichtige Plattform, um dieses Wachstum zu finanzieren. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie erfolgreich sie damit waren.

Österreichs Unternehmen an der Weltmarktspitze

In den 90er Jahren haben viele österreichische Unternehmen den ersten Schritt in Richtung Osten gewagt. Diese Expansion war nur möglich, weil sich Unternehmen wie von A wie Andritz, über S wie S IMMO, bis hin zu Z wie Zumtobel über die Wiener Börse finanzieren konnten. In weiterer Folge hat das Wachstum im Osten zahlreichen österreichischen Unternehmen als Sprungbrett in die Welt gedient. Heute sind viele von ihnen Global Player und in ihren jeweiligen Bereichen an der Weltmarktspitze.

Die Ausweitung der Geschäfte hat dazu geführt, dass die österreichische Wirtschaft gewachsen ist, Arbeitsplätze geschaffen und der Konsum angeregt wurde. Wenn es uns auch in Zukunft gut gehen soll, bedarf es weiterhin eines Wirtschaftswachstums. Dieses Wachstum ist nur durch Neues möglich, seien es neue Produkte, neue Technologien oder neue Märkte. Der Kapitalmarkt bietet Unternehmen die Möglichkeit, dieses Wachstum zu finanzieren. Nämlich nicht über Schulden, sondern über Eigenkapital.

Positive Effekte weit über die Unternehmensgrenzen hinaus

Unsere Unternehmen sind also zentral für unseren Wohlstand: Arbeitsplätze und Einkommen hängen von ihrem Erfolg, von ihrer Wettbewerbsfähigkeit ab. Damit sie weiter die Nase vorn haben und Innovationen schaffen, brauchen sie die Möglichkeit, sich zu finanzieren. Dafür braucht es einen leistungsfähigen Kapitalmarkt.

Rund 10 Prozent der österreichischen Wertschöpfung und der Arbeitsplätze kommen von börsennotierten Unternehmen. Rechnet man auch noch die Arbeitsplätze in Zulieferbetrieben dazu, ist die Zahl sogar deutlich höher. Das zeigt eine Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts, die die Bedeutung des Kapitalmarkts dafür hervorhebt.

Transparenz für ein erfülltes Börseleben

Warum finanzieren sich dann nicht alle Unternehmen über die Börse? Dafür sind unterschiedliche Faktoren entscheidend. Bei einem Börsegang kommt es auf ein ausreichendes Emissionsvolumen und einen Streubesitz an, der hoch genug ist um einen regen Handel und einen marktgerechten Kurs zu ermöglichen. Nur so kann man viele verschiedene Investoren anziehen.

Klarerweise müssen Unternehmen zudem eine Bereitschaft zu Transparenz und aktiver Kommunikation haben, wenn sie an die Börse gehen wollen. Wenn das gegeben ist, wirkt die Börsenotiz wie eine Zertifizierung. Sie wirkt sich stark auf die Bekanntheit aus: Die permanente Öffentlichkeit hilft bei Aufbau oder Stärkung der Marke. Damit ziehen Sie leichter qualifiziertes Personal an und auch der Aufbau von internationalen Lieferanten- und Kundenbeziehungen gelingt leichter, da eine Börsenotiz Vertrauen schafft. Zudem eröffnet sie MitarbeiterInnen die Möglichkeit, Anteile am eigenen Unternehmen zu erwerben und damit unmittelbar am Unternehmenserfolg teilzuhaben.

Heimmarkt Wien als Basis für internationale Aufmerksamkeit

Als Börseplatz sind beispielsweise Frankfurt oder London wesentlich größer als Wien. Warum ein österreichisches Unternehmen dennoch in Wien erfolgreicher notiert, liegt neben der Aufmerksamkeit internationaler Investoren, die es in Wien bekommt, auch an der lokalen Bekanntheit. Ein börsennotiertes Unternehmen muss für seinen Erfolg auf dem Radar von Analysten, Medien und Investoren sein. Nur diese Aufmerksamkeit garantiert regen Handel. Am Heimatmarkt kann das gewährleistet werden. Wesentlich schwieriger ist es bei einer Notiz im Ausland. Da ist man oft unter der Wahrnehmungsgrenze. Damit liegt auch auf der Hand, dass Österreich für die positive Entwicklung seiner Unternehmen und damit für unser aller Zukunft einen eigenen und florierenden Kapitalmarkt braucht.

  • Details zur Studie:
    „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der 90 börsenotierten heimischen Unternehmen“ des iwi – Industriewissenschaftliches Institut wurde im April 2015 im Auftrag des Aktienforums erstellt.
  • Die Studie dokumentiert, dass die heimischen börsenotierten Unternehmen einen beträchtlichen Beitrag zu gesamtwirtschaftlicher Wertschöpfung sowie Beschäftigung leisten:
    • Wertschöpfung: Ihr Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung macht 28,34 Mrd. Euro aus, das sind 10,21 % der Gesamtwirtschaft. Das heißt: Mehr als jeder zehnte Euro der heimischen Wertschöpfung ist auf börsenotierte Unternehmen zurückzuführen!
    • Beschäftigung: Ihr Beitrag zur Beschäftigung sind 438.025 Arbeitsplätze, das sind 10,03 % aller Beschäftigungsverhältnisse. Das heißt: Mehr als jeder zehnte Arbeitsplatz in der österreichischen Wirtschaft ist an die Aktivitäten der börsenotierten Unternehmen geknüpft!
    • Die heimischen börsenotierten Unternehmen bewirken durch ihre Zusammenarbeit mit Partnern auf Zulieferebene enorme Hebeleffekte über die eigenen Unternehmensgrenzen hinweg!

Autor/in

Birgit Kuras

Mag. Birgit Kuras ist ehemaliges Mitglied des Vorstandes der Wiener Börse AG. Sie war dort für die Bereiche Finance, Human Resources & Facility Management, Marketing & Corporate Communications, Media Relations & Public Affairs sowie Issuers & Market Data Services zuständig.

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